Wolfgang Funke entschloß sich, im April 1937 im westsächsischen Glauchau geboren zu werden, denn er wollte in einem Leben unbedingt drei deutsche Staaten aus dem Effeff kennenlernen. In den ersten vier Jahren danach kam erviel herum; er reiste nach Polen, in die Ukraine, nach Holland, Belgien und Paris. Dann aber siegte 1945 zwangsläufig die Bodenständigkeit, und bis zum Abitur an der Georgius-Agricola-Oberschule blieb er ausschließlich in Glauchau - mit einigen Abstechern nach Westberlin und Hof und ein, zwei weiteren an die Ostsee.
Sein Medizinstudium absolvierte er dann dort oben im hohen deutschen, einst südschwedischen Norden an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald, dem einzigen deutschen Dorf mit Universität. Seinen Dienst als Regimentsarzt in der NVA leistete er aber schon wieder in Frankenberg in Sachsen ab, das er nur kurz vor Ende seiner Mindestdienstzeit mit Hilfe einer Strafversetzung verließ. Mehrere Befehlsverweigerungen und eine "parteifeindliche" Tätigkeit waren bei einem Schreibverbot durchaus hilfreich. Er absolvierte zwei Facharztausbildungen und arbeitete danach in beiden Fachbereichen. Was von der DDR aus bereisbar war, bereiste er. Ohne Kuba und Jugoslawien.
1954 veröffentlichte er unter einem Pseudonym eine erste satirische Kurzgeschichte, 1958 eine nicht lizenzierte Druckschrift, die verboten und mit einem Riesenaufwand durch die Paul-Greifzu-Truppe konfisziert wurde. Erst Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begann danach der Eulenspiegel vorsichtig mit regelmäßigen Veröffentlichungen seiner satirisch-moralisierenden Texte.
Nahezu alle Tageszeitungen und Zeitschriften der DDR veröffentlichten später seine Satiren. Die Staatsoper Berlin nahm ihn unter Vertrag, Unterhaltungskünstler wie Monika Hildebrand und Uta Brezan interpretierten seine Chansons und Kinderlieder. Im sozialistischen Ausland häufig übersetzt, erhielt er in Polen zwei Preise für seine Beiträge zur Aussöhnung beider Völker.
Die Justiz der BRD verweigerte ihm nach dem Wiedervereinigung genannten Anschluß im Namen des Volkes die Zahlung einer Rente als Schriftsteller, weil er, was aber gar nicht möglich war, nicht zweimal den Höchstsatz von 60 Mark der DDR Sozialbeitrag gezahlt hätte. Das Wort "Höchstsatz" erwies sich somit als zu kompliziert für freie Juristen. Da fehlten selbst dem Satiriker die Worte. Zunächst. Nunmehr eingewöhnt, wundert er sich nicht mehr und schreibt wieder Satiren. -
Am 10. Januar 2009 hat sich der letzte Kreis im Leben Wolfgang Funkes still und unerwartet rasch geschlossen.